„Schreibschrift ist Zweitschrift“ - nach diesem Prinzip lernen Kinder in Deutschland bisher ab der zweiten Klasse die Schreibschrift kennen. Doch seit einiger Zeit wird darüber diskutiert, ob das Erlernen einer verbundenen Schrift noch zeitgemäß ist. Denn Lehrer beklagen, dass die Handschriften ihrer Schüler immer häufiger nur schwer lesbar und teilweise sogar auch trotz großer Anstrengungen nicht zu entziffern sind. Abhilfe soll in diesem Zusammenhang die sogenannte Grundschrift, eine Variante der Druckschrift, bringen. Auf durchgängig verbundene Schreibbewegungen wird hier verzichtet. Kinder sollen selbst entscheiden, welche Buchstaben sie miteinander verbinden und welche nicht. Allerdings sind Wissenschaftler, Lehrer und Schriftsteller nicht alle von der Einführung dieser vereinfachten Schrift überzeugt. Für sie stellt die Schreibschrift nicht nur ein wichtiges Kulturgut dar; sie sind außerdem der Meinung, dass die Beherrschung einer Druckschrift als Handschrift nicht ausreiche. Außerdem sind sie der Meinung, dass Lesen und Schreiben stark miteinander verbunden sei und die Schreibschrift die kognitiven und motorischen Fähigkeiten fördere.
Schüler aus dem gesamten deutschen Sprachgebiet aus. 1538 schuf er mit seinem Buch “Gute ordnung und kurzer Unterricht … Zierlichs schreybens.” eine Stileinheit der Buchstaben der deutschen Kurrentschrift. Nachdem sich dann im 15. und 16. Jahrhundert der Buchdruck Gutenbergs in Europa ausbreitete wurde das Lesen und Schreiben allmählich zu einem Gemeingut immer breiterer Schichten. Zudem hatte sich die Schriftlichkeit durch Universitäten weiter verbreitet. Im Jahr 1714 wurde dann erstmals in Preußen durch einen Erlass eine Normschrift eingeführt. Diese war durch ihre spitze, nach rechts geneigte Form charakteristisch für die deutschen Kurrentschriften. Diese Schrift wurde dann durch Ludwig Sütterlin weiterentwickelt.
Vom 9. bis zum 12. Jahrhundert wurde in Deutschland die Karolingische Minuskel als Ausgangsschrift verwendet. Sie entstand Mitte des 8. Jahrhunderts als Regionalschrift und zeichnet sich durch ein klares und einfaches Schriftbild aus. Aus ihr entwickelten sich über die gotische Minuskel die Kleinbuchstaben der deutschen Schriften. Ab dem 14. Jahrhundert setzte sich eine Schriftform durch, die an die gotische Kursive (eine Kursivform der Gotischen Schrift) anknüpfte. Diese Schriftenentwicklung wurde vom Nürnberger Schreibmeister Johann Neudörffer (1497 - 1563) fortgesetzt, der zu den bedeutendsten und einflussreichsten Schrift- machern seiner Zeit gehört. Er hatte einen entscheidenden Anteil an der Entstehung der deutschen Fraktur und übte als Verfasser grundlegender Lehrbücher einen starken kunstpädagogischen Einfluss auf
Lateinische Ausgangsschrift
Die Lateinische Ausgangsschrift wurde vom Iserloher Schreibkreis aus dem Vorgänger, der Deutschen Normalschrift, entwickelt. Sie wurde am 04. November 1968 eingeführt. Die Lateinische Ausgangsschrift strebt eine maximale Verbunden-heit der Buchstaben an. Dies entsteht durch zahlreiche komplexe Drehrichtungswechsel. Die Buchstaben zeigen eine stärkere Rechtsneigung von 75 Grad und haben eine schmalere Ovalform. Zudem wurden die Schriftproportionen durch eine Veränderung der Ober- und Unterlängen angepasst und die Deckstriche verringert. Man sprach erstmals von einer Ausgangsschrift statt von einer Normschrift, da sie bewusst als Orientierung und Leitsatz dienen sollte.
Schulausgangsschrift
Die Schulausgangsschrift wurde von Elisabeth Kaestner (Schreibdidaktikerin) und Renate Tost (Schriftgrafikerin) entwickelt. Die Großbuchstaben wurden im Wesentlichen auf ihre unterscheidenden Merkmale reduziert und somit vereinfacht. Sie orientieren sich deutlich an der Druckschrift. Die Kleinbuchstaben wurden dynamischer gestaltet, um die Bewegungen flüssiger auszuführen. Durch die Schulausgangsschrift war es möglich die Schreib-schrift unmittelbar zu Anfang der Schule zu Schulbeginn zu erlernen.
Vereinfachte Ausgangsschrift
Die Vereinfachte Ausgangsschrift wurde von Heinrich Grünewald und der Frankfurter “Arbeitsgemeinschaft Schreiberziehung im Arbeitskreis Grundschule” entwickelt. Ziel war es, die Schwierigkeiten, die in der Schreibweise der Lateinischen Ausgangsschrift bestehen, zu beheben. Die Buchstabenschreibweise wird vereinfacht und zudem an die Druckbuchstaben angenähert. Die Vereinfachte Ausgangsschrift funktioniert somit nach einem „Baukastensystem”, da eine Aneinanderreihung der Buchstaben möglich ist. Hierdurch soll ein konsequenter und logischer Schreibfluss entstehen, der leicht motorisch umzusetzen ist. Auf unnötig schmückende Formelemente wird verzichtet. Bis auf ein paar Ausnahmen beginnen und enden alle Kleinbuchstaben am oberen Mittelband. Die Anzahl der abrupten Schreibrichtungswechsel wird stark reduziert.
Deutsche Normalschrift
Die in Deutschland als Druck- und Handschrift übliche Gotische Schrift bzw. Fraktur wurde am 3. Januar 1941 von den National-sozialisten per Erlass verboten. In ihrem Rundschreiben haben sie die Fraktur und ihre Handschriftvarianten als „Schwabacher Judenlettern“ bezeichnet. Eigentlich ging es aber viel mehr darum, dass auch das Ausland im Stande sein sollte, deutsche Bücher zu lesen. Dies war nur über eine einheitliche Schrift möglich. Nachdem die Sütterlin-schrift abgeschafft wurde, führte man die Deutsche Normal-schrift ein, die in ihrem Schriftbild der Sütterlinschrift sehr ähnlich war.
Mittlerweile kann in Deutschland jedes Bundesland selbst entscheiden, welche der drei Ausgangsschriften zum Schrift-spracherwerb verwendet werden soll. Die Schriftwahl variiert teilweise sogar von Ort zu Ort, von Schule zu Schule oder sogar innerhalb eines Schulgebäudes von Klasse zu Klasse. Vorgaben oder Richtlinien gibt es nicht. Die Bildungsstandards für die vierte Klasse verlangen nur, dass die Schüler „eine gut lesbare Handschrift flüssig schreiben” können. Mit welcher Schrift dies geschieht, ist nicht definiert. Insgesamt sind von dieser Schreib-schriftenproblematik alle 16 Bundesländer mit rund 16.000 Grundschulen und 15.000 weiterführenden Schulen betroffen. In der Schule startet das Schreiben in der ersten Klasse mit dem Lernen der Druckschrift. Hier werden Groß- und Kleinbuch-staben gleichzeitig erforscht und gelernt. Oftmals überlässt man die Druckschrift ganz allein den Kindern. Der Bewegungs-ablauf, die Stifthaltung sowie der Formaufbau werden nicht direkt vorgeschrieben. Wichtig ist nur, dass die einzelnen Buchstaben erkennbar sind.
Bei den Großbuchstaben gibt es kaum Probleme, da sie aus Einzelteilen zusammengebaut werden können. Ein B setzt sich beispielsweise aus einem Strich und zwei Bögen zusammen. Durch die charakteristischen Formen sind die Großbuchstaben leicht voneinander zu unterscheiden. Kommen dann die Kleinbuchstaben dazu, gibt es für jedes Lautzeichen zwei unterschiedliche Buchstaben, deren Formen nicht so klar und eindeutig voneinander zu unterscheiden sind. Ab der zweiten Klasse kommt dann das Erlernen der Schreibschrift hinzu. Im Gegensatz zur Druckschrift werden die Buchstaben eines Wortes nicht nebeneinander gesetzt, sondern miteinander verbunden. Die einzelnen Buchstaben der Schreibschrift, insbesondere der Vereinfachten Ausgangsschrift und der Schulausgangsschrift, sind denen der Druckschrift sehr ähnlich. Was mit dieser zuvor gelernt wurde, wird auf die Schreibschrift übertragen. Oftmals gilt diese Schrift als die Hauptschrift, in der Texte und Aufsätze größtenteils verfasst werden sollen. Die Kinder sollen dann aus der verbundenen Schreibschrift im Laufe der Zeit eine eigene Handschrift entwickeln.
Häufig ist zu beobachten, dass das Schreiben mit der Hand immer mehr an Bedeutung verliert. Anleitung und Übung in der Schule geraten stärker in den Hintergrund. Viele Handschriften sind dementsprechend unbeholfen und nur schwer lesbar. Ein oft genanntes Argument in diesem Zusammenhang ist, dass das Handschreiben ein Relikt aus der Zeit vor der Digitalisierung durch Computer, Tablets und Smartphones darstellt. Das Verschriftlichen beschränke sich zunehmend meist nur noch auf das Schreiben kurzer Notizen oder Einkaufszettel.
Als weiteres Argument wird mehrfach genannt, dass es viele Kinder gibt, die Probleme mit dem traditionellen Handschreiben in der Schule haben. Sie werden stetig darauf aufmerksam gemacht, dass sie nicht nur unleserlich schreiben würden, sondern auch zu verkrampft mit dem Stift auf das Papier drücken. Dadurch würde das Schreibenlernen zu einer Qual werden. Als Konsequenz dieser Argumentation wird häufig genannt, dass das Unterrichten von Handschrift zunehmend an Wichtigkeit verliere und somit auf das Nötigste beschränkt werden könne.
Sütterlinschrift
Die Sütterlinschrift wurde konzipiert und gestaltet vom Grafiker Karl Ludwig Sütterlin (1865 - 1917). Sütterlin ist nahezu geo-metrisch und aus Geraden und Kreisformen zusammengesetzt. Die Buchstaben sind stark gerundet und senkrecht gestellt. Die Schrift weist ein ausgeglichenes Größenverhältnis von Oberlänge, Mittelband und Unterlänge im Verhältnis von 1:1:1 auf. Geschrieben wurde sie im Gleichzug mit einer Kugelspitz-feder. Die Sütterlinschrift löste die deutsche Kurrentschrift ab und wurde als deutsche Volksschrift Teil des offiziellen Lehr-plans. Infolge des Schrifterlasses von 1941 wurde Sütterlin dann verboten.
Eine der wenigen wissenschaftlichen Versuche, die Vorteile der Vereinfachten Ausgangsschrift in Bezug auf Lesbarkeit, Schreib-geschwindigkeit und Rechtschreibung mit der Lateinischen Ausgangsschrift zu vergleichen, stammen von dem Erfinder Grünewald selbst. Aufgrund seiner Studie wurde die Vereinfachte Ausgangsschrift in deutschen Schulen eingeführt. Der Erziehungswissenschaftler Wilhelm Topsch wies 1996 allerdings nach, dass die Ergebnisse des Gutachtens fehlerhaft seien und unbewiesene Behauptungen in den Raum gestellt werden.
Dagegen steht die Position derjenigen, die weiterhin an der Handschrift und ihrer wichtigen Bedeutung festhalten. Mit der Handschrift sei der Zugang zur Schriftlichkeit verbunden. Somit sollte das Handschreiben möglichst differenziert und in verschiedenen Varianten unterrichtet und gefördert werden. Weiterhin wird genannt, dass es eine wichtige Kopplung zwischen dem Handschreiben und dem Lesen gibt. Zusätzlich würde gutes Handschreiben die persönliche Entwicklung fördern. Zudem wird argumentiert, dass das Handschreiben eine wichtige Rolle für das Lernen in der Schule und darüber hinaus auch beispielsweise im Studium einnimmt, da man nachweislich das handschriftlich Geschriebene besser verinnerlicht als das, was digital mitgeschrieben wurde.
Neben dem Verdacht, dass die Handschrift nur noch selten in Gebrauch ist, gilt ein Modell als Beweisführung, dass eine verbundene Schrift im Erwachsenenalter meist nicht mehr in der gelernten Form auftritt. Für Kinder bedeute das Lernen einer zusätzlichen Schreibschrift nicht nur eine unnötige Belastung, sondern es raube ihnen auch wichtige Zeit, die sie zum Lernen anderer Themen nutzen könnten. Weiterhin wird angeführt, dass das flüssige Schreiben auf der Tastatur viel wichtiger sei als das Handschreiben, da man in der heutigen Zeit zunehmend mit digitalen Medien arbeite, sei es in der Grundschule mit Lernprogrammen oder aber später in der Vorlesung an der Universität.
1980
Immer mehr Kindern fällt es schwer, leserlich und ausdauernd zu schreiben. Jeder 2. Junge und fast jedes 3. Mädchen hat Probleme, eine gut lesbare Handschrift zu entwickeln. Jeder 6. Schüler der Jahrgänge 5 und 6 kann die eigene Handschrift als Arbeitsmedium nur bedingt nutzen aufgrund mangelnder Lesbarkeit und reduziertem Schreibtempo. Da das Schreibtempo und das Schreibpensum in den weiterführenden Schulen so stark zunimmt, ist es für Kinder mit einer Schreibschwäche fast unmöglich, dem Unterricht so zu folgen, wie sie es gerne würden. Zudem kommt dazu, dass sie bei Klausuren Probleme haben, alles in der Zeit zu verschriftlichen, was ihnen im Kopf zu den Fragen einfällt. Nach der vierten Klasse wandelt sich das Schreibproblem zu einem individualisierten Problem. Lehrer sind dann nicht mehr in der Verpflichtung, Kindern beim Schreiben zu helfen. Und rein aus zeitlichen Gründen ist es den Lehrer nicht aufzubürden, neben allen Fächern auch noch das Schreibenlernen zu vertiefen.
Deshalb soll eine vereinfachte Schrift Kindern beim Schreibenlernen helfen.
Grundschrift
Die Grundschrift wurde 2011 im Auftrag des privaten Grund-schulverbandes entwickelt. Sie ist eine Variante der Druckschrift und somit als “modulare Schrift” zu verstehen. Auf durchgängig verbundene Schreibbewegungen wird verzichtet. Kinder sollen selbst entscheiden, ob und welche Buchstaben sie miteinander verbinden wollen. Diese “Luftsprünge” sollen eine flüssige Schreibbewegung fördern, da man der Hand Zeit zum Entspannen gibt.
Eine maßgebliche Rolle bei dem Erlernen der Grundschrift spielt das pädagogische Konzept. Lehrer sollen mit ihren Schülern sogenannte "individuelle Schreibgespräche” führen, ästhetische Experimente wagen und sich mit ihren individuellen Schwierigkeiten beim Schreiben auseinandersetzen. Die Grundschrift soll keine Normschrift darstellen, sondern als Orientierungshilfe dienen. Die persönliche Handschrift der Kinder wird direkt aus den Druckbuchstaben entwickelt. Seit 2011 kann jede Grundschule in Hamburg selbst entscheiden, ob die Kinder mit der Grundschrift schreiben oder noch eine verbundene Schulausgangsschrift lernen. Erlaubt ist die Grundschrift unter anderem in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Hamburg und Thüringen.
Ob die Schreibschrift bundesweit abgeschafft und die Grundschrift im gleichen Zuge eingeführt werden soll, wird nach wie vor stark diskutiert. Obwohl es im Raum der Bildungspolitik viele Studien und Forschungen gibt, so ist bisher noch keine Studie in Auftrag gegeben worden, die sich intensiv damit auseinandersetzt, welche Schrift zum Schreibenlernen für Kinder am Besten geeignet ist und welche Folgen die Schriftenbürokratie mit sich bringt.
Ohne gelernte Schreibschrift wird die Handschrift weniger individuell, weil die vorhergesehenen Abweichungen weniger werden und dadurch weniger Möglichkeiten bestehen, die Individualität auszudrücken.
Helmut Ploog, Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Graphologen
Horst Bartnitzky, Pädagoge und Vorsitzender des privaten Grundschulverbandes
Angesichts erheblich gestiegener Aufgaben in der Schule spricht viele dafür, wo es möglich ist, Lernprozesse ökonomischer zu gestalten. Schrift ist eine Kulturtechnik und hat vor allem einen funktionalen Wert. Sie sollte deshalb so zeitökonomisch wie möglich erarbeitet werden.
Wilfried Bos, Leiter der IGLU und Professor am Institut für Schulentwicklungsforschung der TU Dortmund
Ehrlich gesagt, regt es mich ziemlich auf, dass wir didaktische Entscheidungen, die möglicherweise von großer Bedeutung für das spätere Leben vieler Kinder sind, ohne ausreichende empirische Grundlagen treffen.
“Zurück auf null” - neben dem Frust für Kinder kostet das auch sehr viel Unterrichtszeit, die dann all den anderen Bildungsaufgaben der Grundschule abgeht.
Maresi Lassek, Vorsitzende des Grundschulverbandes
Je niedriger wir das Anforderungsprofil fassen, umso dramatischer wird das Bildungsniveau sinken.
Karin Brose, Studienrätin an der Lessing-Stadtteilschule in Hamburg-Sinstorf
Tatsache ist, dass alle vorgegebenen verbundenen Schriften vielen Kindern beim Lernen Probleme bereiten, und dass von vielen Aspekten der verbundenen Schriften in der ausgeschriebenen Erwachsenenschriften kaum etwas übrig bleibt.
Erika Brinkmann, Professorin für deutsche Sprache, Literatur und Didaktik
Hierzulande sind empirische Erkenntnisse darüber, welche Schriftart zum Erfolg führt, rar. Anders sieht es im angel-sächsischen und französischen Sprachraum aus. 2012 wurde eine Studie vorgelegt, deren Ergebnisse auch für die Diskussion in Deutschland eine wichtige Rolle spielen könnte. Hier geht es vor Allem um den Zusammenhang zwischen sogenannten grafo-motorischen Fähigkeiten, der korrekten Rechtschreibung und der inhaltlichen Qualität von Texten. In der Studie wurden Texte von 175 französischsprachigen Grundschulkindern zu Anfang und zu Ende des zweiten Schuljahres untersucht. Die Kinder wurden in drei Gruppen aufgeteilt: Die erste Gruppe hat seit jeher ausschließlich in Druckschrift schreiben gelernt, die zweite Gruppe hat in einer Mischform aus Druck- und Schreibschrift (ähnlich wie in Deutschland) schreiben gelernt und die dritte Gruppe lernte Schreiben ausschließlich in Schreibschrift. Nach dem zweiten Schuljahr waren bei allen Kindern Lern-zuwächse festzustellen, sowohl in Bezug auf Schreib-geschwindigkeit und Rechtschreibung als auch auf Syntax und inhaltliche Textqualität. Die schlechtesten Ergebnisse aber erzielten die Kinder, die aus einer Mischform von Druck- und Schreibschrift Schreiben lernten. Die besten Ergebnisse wiederum erzielten die Kinder, die seit jeher die Schreibschrift nutzten. Deshalb stellt sich die Frage, warum das Lesen und Schreiben lernen in Deutschland nicht auf der Schreibschrift basiert sondern aus dem Lehren einer Mischform.
Angesichts all der Für- und Widerworte in Bezug auf die Frage, ob und wie sinnvoll das Schreibenlernen mit der Schreibschrift heute noch ist, so ist auf jeden Fall sicher zu sagen, dass bildungspolitische Reformen nur noch angegangen werden sollten, wenn wenigstens eine empirische Mindestauskunft darüber gegeben werden kann, welche positiven Auswirkungen die neuen Strategien mit sich bringen.
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